Im Dialog-Dreieck: Stärkung der Bildungschancen von Kindern mit kurdischem Hintergrund
Gelungene Integration bedeutet, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen. Ein Zustand, der nur durch die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte in allen Bereichen, besonders am politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben möglich wird.
Dabei spielt Bildung eine zentrale Rolle. Sie ist nicht nur der Schlüssel für die Teilhabechancen jedes einzelnen Menschen, sondern auch für den Zusammenhalt einer Gesellschaft.
Zwar haben sich Bildungsbeteiligung und -erfolg der Menschen mit und ohne Migrationshintergrund angenährt, dennoch heben PISA-Studien die Notwendigkeit zur Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien oder sozial schwachen Familienmilieus deutlich hervor.
Kurdische Familien sind häufig von beiden Zuschreibungen betroffen. Zudem sind sie geprägt von weitgehender Unterdrückung in ihren Herkunftsstaaten. Eine Politik der Anerkennung blieb ihnen bislang verwehrt. Auch in der deutschen Öffentlichkeit werden kurdische MigrantInnen zum Teil immer noch undifferenziert als „Türken“, „Araber“ oder „Perser“ dargestellt, obwohl sie selbst sich ausdrücklich als KurdInnen verstehen.
Als Migrantenselbstorganisation nimmt NAVEND – Zentrum für kurdische Studien e.V. hier die Rolle eines erfahrenen Vermittlers ein. Anders als den ‚traditionellen’ Institutionen und etablierten Bildungsträgern kann es uns besser gelingen Leute aus der kurdischen Community zu erreichen, gezielt zu informieren und zu stärken.
Projektbeschreibung
Gerade Eltern mit Migrationshintergrund haben hohe Bildungsambitionen für ihre Kinder und möchten diese nach besten Kräften unterstützen. Häufig fehlen ihnen jedoch die nötigen Mittel, um außerschulisch zu fördern oder gesetzliche Mitwirkungsrechte wahrzunehmen. Meist sind mangelnde Informationen, fehlende eigene Bildungsressourcen, finanzielle Sorgen oder unzureichende Deutschkenntnisse die Ursache.
Eine kritische Ausgangslage, wenn man bedenkt, dass sozioökonomische Faktoren und Bildungs-ressourcen der Eltern sich oft stärker auf den Bildungserfolg von Kindern auswirken als schulische Rahmenbedingungen.
Das Projekt „Im Dialogdreieck“ dient der kooperativen Elternarbeit. Gespannt wird das Dreieck zwischen hier schon länger lebenden kurdischen Familien, neu angekommenen kurdischen Geflüchteten und etablierten Bildungsinstitutionen. Es zielt auf den Abbau von Bildungsbenachteiligung durch die Förderung der Zusammenarbeit der Eltern mit den Einrichtungen des schulischen Regelsystems in Bildungs- und Erziehungsfragen. Dabei sollen Berührungsängste und Barrieren abgebaut und Elternkompetenzen gestärkt werden.
Auf diesem Wege soll es gelingen Bildungsressourcen von Familien mit kurdischem Migrations-hintergrund in Zukunft besser zu erschließen und die Schullaufbahn ihrer Kinder nachhaltig zu verbessern. Die kooperative Elternarbeit wird dabei verstanden als Erziehungs- und Bildungspart-nerschaft, in der zugewanderte Menschen selbst zum Träger des gesellschaftlichen Integrations-prozesses werden.
Projektziele
- Informationen über schulische Bildungslandschaft vermitteln
- Elterliche Erziehungskompetenzen stärken und zur Eigenverantwortung motivieren
- Partizipationsmöglichkeiten erläutern und anbieten
- Auf- und Ausbau eines kurdischen Elternnetzwerkes
- Abbau von Sprachbarrieren
- Bewusstmachung und Nutzung der mehrkulturellen Identität als Ressource
- Evaluation der Projektergebnisse
Projektschritte
- Qualifizierungsangebote sowie Begleitung von ehrenamtlichen MultiplikatorInnen
- Aufbereitung von Informationsmaterial über die deutsche Schullandschaft
- Kontakte mit Elterngruppen in verschiedenen Lokalräumen erschließen
- Seminare und Workshops für Eltern mit Zuwanderungsgeschichte
- Gründung eines Netzwerkes zur Stärkung der Interessensvertretung
- Neu gegründete Initiativen der Elternarbeit unterstützen und Kooperationen vertiefen
Ansprechpartner
Jana Roganov
Kontakt: email@navend.de